Nach der Natür
Oliver Möst
Océane Moussé wurde 1980 im südfranzösischen Toulouse geboren. Zwischen 1998 und 2003 studierte sie dort Bildende Kunst und schloss ihr Studium mit einer Maîtrise in Kunstwissenschaften sowie einem DEA im Bereich Audiovisuelles an der Universität Toulouse – Jean Jaurès ab. Seit rund fünfzehn Jahren lebt und arbeitet sie zwischen Toulouse und Berlin.
Ihre künstlerische Praxis wurde in zahlreichen Ausstellungen und Künstlerresidenzen sichtbar, insbesondere in Frankreich und Deutschland, aber auch in Spanien und Belgien. 2019 war sie für den Neuköllner Kunstpreis nominiert, 2023 präsentierte sie in Berlin die Einzelausstellung Klang der Stille.
Darüber hinaus entstanden zwischen 2014 und 2025 mehrere Kooperationen, etwa mit dem Komponisten Henning Specht (Das Waschmaschinen Inferno, Klanginstallationen, Performances) sowie mit der Künstlerinnengruppe Inside Draftwomen, die jährlich Ausstellungen in Museen und Galerien rund um das Thema Zeichnung organisiert.
Das Medium der Zeichnung bildet das Zentrum ihres Schaffens. Aus einer lebenslangen Leidenschaft für die Linie hervorgehend, eröffnete sich Moussé durch die Zeichnung ein Feld, das gleichermaßen ästhetische wie existenzielle Fragen berührt. Neben ihrer formalen Sensibilität war es auch die praktische Beschaffenheit des Mediums – transportabel, ökonomisch, ressourcenschonend –, die es zur idealen Ausdrucksform in einem von Mobilität geprägten Leben zwischen Ländern und Städten machte.
Schrittweise entwickelte sie eine künstlerische Sprache, die die unterschiedlichen Materialitäten des Papiers erforscht: von an der Wand schwebenden Zeichnungen über skulpturale Papierkörper bis hinzu installativen Formulierungen.
Ihre Arbeiten – meist in Tusche und Feder ausgeführt – entfalten sich als eine Poetik des Raumes und der Bewegung. Ausgehend von der Beobachtung der Natur entstehen neue Landschaften, zusammengesetzt aus Fragmenten, Faltungen und Auflösungen. Diese hybriden Bildräume reflektieren die Vergänglichkeit der Welt und halten uns zugleich den Spiegel unserer eigenen Verletzlichkeit und Flüchtigkeit vor.
Durch Verfahren wie Faltung und Auslöschung, durch das subtile Spiel mit Licht, Echo und Vibration, untersucht Moussé unser Verhältnis zu Zeit und Raum – in all dem Fragilen, Instabilen und Ephemeren, das unser Dasein bestimmt. Die Zeichnung, aus dem Schreiben hervorgehend, vermag sich bei ihr klanglich oder filmisch auszudehnen, in Installationen oder Skulpturen zu materialisieren. So erweist sich ihr Werk als ein stetiges Erkunden der Grenzen und Übergänge zwischen Medium, Raum und Wahrnehmung.

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